Die Geschichte des Bolonka Zwetna:

 

Bolonka Franzuska

Ahnen des Bolonka Zwetnas

Es wird vermutet, dass bereits im frühen 18. Jahrhundert kleine weiße malteserartige Schoßhündchen vom französischen Königshof als wertvolle Geschenke an den russischen Zarenhof und zum russischen Adel gelangten.

Dort züchtete man die kleinen weißen Hündchen weiter und im Laufe der Jahre entwickelte sich in Russland eine Rasse sehr kleiner weißer lockiger Hunde, die dem heutigen Bichon à poil frisé ähnelten.

Diese russische Rasse war allerdings viel kleiner als der Bichon frisé und wurde als französischer Bichon bekannt, als  Franzuskaya Bolonka (Bolonka Franzuska). Aus diesen rein weißen und lockigen Bolonka Franzuskas entstand durch Kreuzung mit kleinen farbigen Hunden später in Russland der Tsvetnaya Bolonka (Bolonka Zwetna).

Nach dem 2. Weltkrieg wollte man in Russland eine neue, kleine und farbige Zwerghunderasse züchten, nachdem man sich jahrhundertelang nur für die Zucht von Arbeitshunden eingesetzt hatte.

Unter der Sowjetherrschaft war es nahezu unmöglich, Hunde aus fremden Ländern zu importieren, deshalb versuchte man, die neue Rasse durch Kreuzung von bereits bestehenden Rassen zu erzüchten. Grundlegend daran beteiligt war der Bolonka Franzuska.

Die Zucht der Rasse begann 1951 in Leningrad innerhalb von Jagdvereinen mit dem Ziel, eine eigene nationale Zwerghunderasse zu züchten.

Beteiligt an der Entstehung der Rasse waren unter anderem der Bolonka Franzuska, der Shih Tzu und der Lhasa Apso.

Kynologische Experten der Leningrader "Jagd- und Fischereigesellschaft" (LODIR) erreichten, durch strenge Auslese auf den Phänotyp den Rahmen für das erwünschte rassetypische Aussehen festzulegen.

Die wichtigsten Rassemerkmale waren eine geringe Größe von 20 cm bis 24 cm sowie ein üppiges, farbiges Fell.

Im Jahr 1964 wurde der erste Rassestandard für Tsvetnaya Bolonka erstellt.

1966 wurde der Rassestandard für den Tsvetnaya Bolonka durch den kynologischen Rat des sowjetischen Landwirtschaftsministeriums bestätigt.

Im Jahr 1973 traf in Moskau das "Moskau City Executive Commitee" die Entscheidung, aus der Abteilung Gesellschafts- und Begleithunde der Gesellschaft "Swerdlowsk interdistrict" die "Moskauer Gesellschaft der Hundeliebhaber"  (MGOLS) zu gründen.

Durch aktives Zuchtgeschehen und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Leningrader Kynologen wurde MGOLS zum wichtigsten Zentrum für den genetischen Aufbau der Rasse Tsvetnaya Bolonka.

Als in den 1980er Jahren die Popularität der Rasse wuchs, entstanden Rassehundevereine und private Zuchtstätten.

1999 wurde in Russland ein nationaler Zuchtverein für Tsvetnaya Bolonka gegründet.

Ab den 1970er/1980er Jahren machten der schneeweiße Bolonka Franzuska und der farbige Bolonka Zwetna auch außerhalb Russlands ihren Weg.

Bereits in den 1970er Jahren gelangten über Russland die ersten Bolonkas nach Ostdeutschland in die ehemalige DDR und wurden dort gezüchtet.

Der weiße Franzuskaya Bolonka (Bolonka Franzuska) wurde dort offiziell und innerhalb des ostdeutschen Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) mit Papieren gezüchtet.

Der farbige Tsvetnaya Bolonka (Bolonka Zwetna) hingegen wurde vor der Wiedervereinigung Deutschlands ausnahmslos ohne Papiere eher heimlich gezüchtet, weil er vom VKSK nicht anerkannt wurde.

1990, kurz nach der Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands, wurden die ostdeutschen Züchter des VKSK die es wünschten, auf Antrag durch den westdeutschen FCI-Dachverband "VDH" übernommen.

Die ostdeutschen Kleinhundezüchter des ehemaligen VKSK kamen somit in den Verband Deutscher Kleinhundezüchter e.V. (VK), ein dem VDH angeschlossener Unterverband, der nun ihr zuchtbuchführender Verein war.

Zu diesem Zeitpunkt änderte der VK die Rassebezeichnung aller, vom VDH nicht anerkannten, Bolonka Franzuska auf den Ahnentafeln. Man machte aus allen Bolonka Franzuska mit einem Federstrich Bologneser.

Die Rasse „Bolonka Franzuska“ gab es von nun an offiziell in Deutschland innerhalb des VDH-VK nicht mehr, denn alle Bolonka Franzuska aus der ehemaligen DDR wurden seit 1990 unter der Rasse Bologneser geführt.

Usine vom weißen Kindertraum

Usine vom weißen Kindertraum

geboren Anfang 1994

WRH: 20 cm

Gewicht: 2,3 kg

Fellfarbe: weiß

Im VDH-VK als Bologneser geboren, aber gezüchtet aus reinen Bolonka Franzuska.

Bianca de la Charis

Bianca de la Charis

geboren Mitte 1999

WRH: 22 cm

Gewicht: 2,2 kg

Fellfarbe: creme-zobel

Tochter von Usine vom Kindertraum und eines Bolonka Zwetna Rüden.

Im September 1991 wurde der Tsvetnaya Bolonka (Bolonka Zwetna) auf Betreiben einer Handvoll ostdeutscher Züchter von zwei westdeutschen Vereinen anerkannt. Diese beiden Vereine gehörten nicht der FCI an, sondern waren der Union Cynologie International (UCI) angeschlossen.

Ab der Wiedervereinigung Deutschlands begann die Zucht des Bolonka Zwetnas auch in Westdeutschland, später dann auch in anderen europäischen Ländern. Sie entwickelte sich mit zunehmender Beliebtheit der Rasse in den folgenden zwei Jahrzehnten enorm.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), der der FCI angeschlossen ist, weigerte sich lange Jahre, den Tsvetnaya Bolonka (Bolonka Zwetna) in Deutschland national als Rasse anzuerkennen und zu betreuen, änderte dann aber seine Meinung: Seit Anfang 2011 wird der Bolonka Zwetna vom VDH-VK betreut.

Die Mehrheit der deutschen Züchter züchtet nach jahrzehntelanger Gewohnheit aber weiterhin außerhalb des VDH-VK.

Russland ist derweil als das Ursprungsland des Tsvetnaya Bolonka (Bolonka Zwetna) dabei, die Zucht weiterzuentwickeln und arbeitet darauf hin, die erforderlichen Auflagen zu erfüllen, damit die Rasse zukünftig ihre vorläufige FCI-Anerkennung erhalten kann.